Lernen mit Spass




 

Wie Schreiben vom Frust zur Lust wird


Durch Spass an der Sache lernen
Nicht jeder Schüler kann sich mit den schreiberischen Qualitäten eines Goethe identifizieren und nur wenige Studenten taugen zum Slam-Poeten wie Patrick Salmen. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass auch weniger kreative Pennäler nicht durchaus viel Freude am Schreiben haben können. Wie so oft im Leben, kommt es auch hier nur auf ein wenig Selbstdisziplin und natürlich Interesse an. Denn nichts schärft das „Schwert“ des Wortes so sehr, wie ein ständiger Umgang damit. Soll bedeuten: Wer viel schreibt, bekommt durch die Routine automatisch einen umfangreicheren Wortschatz – dies gilt übrigens auch für Fremdsprachen, bei denen sich auch viele Schüler schwer tun.

In kleinen Schritten zum Ziel
Wer gerne schreiben möchte, dem aber partout keine interessanten Geschichten einfallen, sollte vielleicht anfangen, ein Tagebuch zu führen. In diesem Fall ist ein Anfang schnell gemacht: Wird das nächste Mal Schulmaterial bestellt, einfach ein Heft oder Notizbuch mehr ordern und frei losschreiben. Beim Tagebuch-Schreiben kommt es für den Anfang weniger auf einen guten Stil an (der kommt mit der Zeit meist automatisch), sondern vor allem darauf, möglichst präzise den Tagesablauf festzuhalten. Das kann ganz klassisch als Brief an einen imaginären Freund geschehen oder in Stichpunkten abgearbeitet werden. Idealerweise packt ein Schüler so den Inhalt eines ganzen Tages auf wenige Seiten. Dies mag zwar zunächst kleinlich und teilweise langweilig erscheinen, vor allem, wenn auch Kleinigkeiten niedergeschrieben werden. Bewahrt der Schüler aber diese Hefte auf, werden sie sich für ihn spätestens im Erwachsenenalter als gern gelesener Schatz entpuppen. Selbst wer für den Augenblick wenig Sinn in so einem Tagebuch sieht, sollte sich ausmalen, wie sehr er sich in zwanzig, dreissig Jahren freuen würde, solche Bücher auf dem Estrich zu entdecken. Im Zweifelsfall also einfach als Geschenk an das zukünftige Ich ansehen.

Nicht das „Wie“ bestimmt
Im Grunde genommen ist es gleich, welches Medium für das Schreiben genommen wird. Papier hat den Vorteil, dass es physisch ist. Man kann es also anfassen, darin blättern. Der Nachteil: Nicht jeder junge Schreiber kann auch mit einer leserlichen Schrift aufwarten. Wer später seine eigene „Klaue“ nicht mehr identifizieren kann, dem helfen auch die lustigsten Erinnerungen wenig. Vor allem mit Hinblick darauf, dass sich Computer aus dem heutigen Leben kaum noch wegdenken lassen, ist es daher durchaus in Ordnung, seine schreiberischen Ambitionen in digitaler Form zu starten. Allerdings sei geraten, die Worte letztendlich doch in Papierform auszudrucken: Computer haben heutzutage ein kurzes Leben. Ein versehentlich gelöschtes oder zusammen mit dem alten Rechner entsorgtes Tagebuch kann einem die Laune gewaltig verderben. In einem robusten Hefter fühlen sich solche Blätter am wohlsten und lassen sich für viele auch angenehmer lesen als am Bildschirm.

Ist der Anfang erst gemacht
Junge Schriftsteller, die sich nach einigen Wochen oder Monaten mit dieser Tagebuchform Lust auf mehr gemacht haben, können freilich auch zum nächsten Schritt übergehen – wem allerdings das Tagebuch-Schreiben allein genug Freude bereitet, sollte sich zu nichts zwingen. Im schlimmsten Fall wird durch solchen „Selbstzwang“ nämlich der Spass am Schreiben zunichte gemacht. Wer mehr will, sollte einfach etwas aussuchen, was ihn interessiert. Igel sind das Lieblingstier? Wunderbar, dann auf zu Stift oder Tastatur und aufschreiben, warum gerade der Igel diesen Stellenwert einnimmt. Vielleicht gibt es ja auch ein besonderes Erlebnis, dass den Igel auf diese Position gebracht hat? Interessiert sich ein junger Bub für Raumfahrt, kann er freilich auch darüber schreiben. Könnte er sich vorstellen, auf dem Mars zu leben? Ja? Warum? Die Welt des Schreibens ist eine fast unendliche und es gibt fast nichts, was sich nicht in Worte und zu einer spannenden Geschichte zusammenfassen lässt. Und: Wer zuhause so routiniert schreibt, der wird in Aufsatz und Diktat viel weniger Probleme haben, als der, der sich in der Freizeit nur im Bekämpfen von Videospiel-Monstern übt. Ist die Lust am Schreiben erst einmal geweckt, lassen sich Geschichten auch online teilen und Meinungen darüber mit anderen Schreibern austauschen.

Mit fremden Zungen
Was für die Muttersprache gilt, lässt sich natürlich in gleichem Mass auch auf den Fremdsprachenunterricht übertragen. Das bedeutet, ein Tagebuch lässt sich auch wunderbar auf Englisch, Französisch oder Italienisch verfassen. Der Vorteil: Was für die eigene Sprache gilt, nämlich, dass sie so geschult, geschärft wird, kommt bei einer Fremdsprache in noch viel stärkerem Mass zum Tragen. Vor allem dann, wenn das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden wird und ein passendes Wörterbuch mit auf dem Tisch liegt. Es verlieren auch spontane Vokabeltests an der Tafel jeglichen Schrecken, wenn der Schüler mit einem dicken Grinsen im Gesicht die erst tags zuvor beim Tagebuch-Schreiben nebenbei gelernten Vokabeln fehlerfrei notieren kann.

Bitte nichts erzwingen
Generell gilt auch beim Schreiben: Nicht mit Gewalt an die Sache herangehen. Es soll Freude bereiten, denn gezwungernermassen wird schon in der Schule gelernt. Natürlich sollte immer ein Ziel im Auge bleiben. Aber wenn nach einem stressigen Tag wirklich keine Lust vorhanden ist, das Tagebuch oder die Geschichte fortzuführen, werden eben nur ein paar kurze Stichworte notiert, die unbedingt rein müssen. Und wenn gar einmal mehrere Tage zwischen echten Fortschritten in Tagebuch oder Geschichte vergehen, bitte eines bedenken: Auch die bekanntesten und erfolgreichsten Schriftsteller haben oft genug sehr lange Phasen, in denen sie kein vernünftiges Wort zu Papier bringen können. Kreativität lässt sich nämlich nicht erzwingen. Tipps und Übungen lassen sich zudem hier finden.

Bildquelle: Unspash (CCO-Lizenz) pixabay.com

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